11.Aug. – 11.Sept. 2019

Gesamtstrecke: 5219.65 km
Maximale Höhe: 313 m
Minimale Höhe: -95 m

Russland

Die Einreise nach Russland an der estonischen Grenze von Narwa verlief mühelos. Wie aber das Prozedere auf der estonischen Seite abläuft, siehe Bericht Kaliningrad-baltische Staaten.

Zwei Tage später erreichten wir St. Petersburg.

Da der Campingplatz weit ausserhalb der Stadt liegt und nicht gut mit dem ÖV erreichbar ist, erhielten wir von Marion und Jürgen die Angabe einer relativ ruhigen Parkmöglichkeit in der Stadt. Euch nochmals vielen Dank, super Ort (N59,92233 O30,41858) und mit dem ÖV sofort in der City.

 

Mit einer der tiefsten Untergrundbahnen der Welt, mit 86m unter Erdoberfläche, kommen wir sehr schnell in der Stadt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Sankt_Petersburg)

Erste Besichtigung und Eindrücke in der Altstadt

 

Am nächsten Morgen besuchten wir den Park von Peterhof, die  Sommerresidenz der Zaren (https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Peterhof). Es gilt als „russisches Versailles“  und seit 1991 Weltkulturerbe.  Es gelang uns nicht das Schloss zu besuchen, denn davor stand eine Schlange von Chinesen. Die Wartezeit für den Schlossbesuch hätte mehrere Stunden gedauert. Wir besuchten deshalb nur den Park und nach der Hinfahrt mit dem Tragflügelboot kehrten wir mit dem Bus nach St. Petersburg zurück.

 

Am Nachmittag besuchten wir den Winterpalastes. Das majestätische Bauwerk verfügt über ca. 1500 Räume. (https://de.wikipedia.org/wiki/Winterpalast)

 

Am folgenden Tag besichtigten wir die Peter und Paul Festung und die Kathedrale mit der Zaren Gruft.

 

Am 3. Tag fuhren wir nach Zarskoje Selo (Zarendorf) mit der Absicht den Palast von Katherina II zu besichtigen. Eine riesen Schlange hinderte uns daran. Die Leute ständen schon seit 7 Uhr morgens an, sagte uns ein Wächter am Nachmittag um 15 Uhr!  Wir verzichteten auf den Besuch des Schlosses und liessen es mit einem Bummel durch den Park bewenden.

 

Am Ende des Parks entdeckten wir ein kleines Schloss, Ermitage genannt. Dieses konnten wir nach relativ kurzen Wartezeit besuchen.

 

Ein wunderschön mit Porzellan Geschirr gedeckter Tisch versetzte uns in Staunen. Vier kleinere Tische mit echt aussehenden Malzeiten standen an jedem Tischende. Diese Tische können mit einer komplizierten Mechanik ins Untergeschoss gefahren werden, sodass die kaiserliche Gesellschaft ungestört ohne Bedienung speisen konnte.

 

Auf der Weiterfahrt in Richtung Moskau fanden wir stets wieder ruhige Plätze. Einmal wurden wir sogar zu einer kurzen Quad Tour eingeladen.

Wir waren in einem Moskauer Vorort bei der Freundin von Susanne eingeladen.

 

Von dort aus besuchten wir mehrmals die Stadt und trafen auch andere Freunde. Wir erfuhren einiges über Russland und die aktuellen Lebensbedingungen der durchschnittlichen Bevölkerung (siehe Zusammenfassung am Schluss dieser Homepage).

 

Zentrum von Moskau

Wir besuchten die wichtigsten Metrostationen aus der Stalinzeit. Sie alle befinden sich beim kleinen Ring. Laut Stalins Kunstverständnis sollte die Kunst die Wirklichkeit so darstellen, wie sie sein sollte.

 

Nach ein paar Tagen im ruhigen Dorf in der Moskauer Gegend, nach Museums und Opernbesuch in der Hauptstadt, ging es wieder nordwärts, diesmal in Richtung Archangelsk. Oft gerade Strassen mit links und rechts Birken und Fichtenwäldern, nur wenig Landwirtschaft. Ab und zu Ausfahrten zu abseits gelegenen Dörfern, wohin schlammige, ungeteerte Strassen führen. Die Bewohner sammeln Pilze und Heidelbeeren, die sie an der Strasse verkaufen.  

 

Archangelsk mutet recht sowjetisch an. Es ist ein grosses Zentrum für Oel und Gas.

 

Am nächsten Tag fuhren wir nach Severodvinsk, das Zentrum der nuklearen U-Boote und Raketen. Anfangs August fand dort eine nukleare Explosion statt, wobei mehrere Leute wegen erhöhter Radioaktivität starben. Gemäss Internet war alles wieder in Ordnung, aber junge Leute sagten uns lachend, der Bürgermeister sei nach Moskau abgefahren, um sich zu retten!!

 

In Severodvinsk wollten wir unseren Wassertank füllen. Die Leute verwiesen uns entweder auf Ziehbrunnen in Wohnviertel oder auf Wasserflaschen, die man im Supermarkt kaufen kann. In Archangelsk hatten wir endlich Glück bei einer Tankstelle. Die Kassiererin telefonierte herum und konnte uns eine Adresse vermitteln, wo wir auffüllen konnten.
Im Sommer gibt wegen Sumpf keine befahrbaren Pisten dem Weissen Meer entlang in Richtung Norden. Es sind Winterpisten. Die normale Route führt südwärts bis nach Wologda. Dank GPS fanden wir eine kürzere Strecke über Mirnyi – Kargopol – Pudozh, die für Allradfahrzeuge befahrbar ist. Diese Abkürzung von ca 500km mündet bei Medvezhegorsk in die Hauptroute Moskau- Murmansk.
Die Nebenstrecke ist sehr abwechslungsreich, super Teerstrasse, schöne, gute Piste, Teerstrasse mit Löchern, Löcher mit etwas Teer, löchrige Wellblechpiste, Baupiste …. In der Nähe von Mirnyi befindet sich ein russischer Raketenstartplatz. Ein Russe verriet uns den Start einer Rakete vor 2 Tagen. Es sei grandios gewesen, leider haben wir es verpasst.

 

Von Medvezhegorsk bis Murmansk führt die Strasse durch ein Sumpfgebiet, ist teilweise in gutem Zustand oder wird teilweise neu gebaut. Die Baustellen  können nur im Einbahnverkehr mit zusätzlichen Unterbrüchen befahren werden. Die Wartezeiten vor den Lichtsignalanlagen sind zeitweise sehr lang und können bis zu einer Stunde dauern. Von verschiedenen Leuten haben wir erfahren, dass diese Strasse so gut ausgebaut wird, weil Putin in der Gegend von Kirovsk (ca. 200km südlich Murmansk) Skifahren geht und die Gegend von Murmansk ein wichtiges militärisches Gebiet ist.

Dank dem Strassenbau mit vielen Rotlichtern kamen wir am folgenden Tag nur langsam voran und wir suchten dann frühzeitig einen ruhigen Nachtplatz.

Im Laufe der Nacht erwachten wir durch einen intensiven Zugverkehr. Am folgenden Morgen frühstückten wir beim Bahngleis um dem Verkehr zuzuschauen. Dieser verlassene Geisterort ohne Wohnhäuser ist vermutlich ein Kreuzung- und Überholungsbahnhof. Zusätzlich treffen 2 Strecken von Süden hier zusammen für die Weiterfahrt nach Murmansk. Es folgten Züge von Norden und Süden, mussten teilweise auf den Kreuzungszug warten und wurden dann auf zwei Gleisen nebeneinander nach Norden abgefertigt – ein wahres Zug Schauspiel. Es waren alles Güterzüge, mit Erdölprodukten, Gas sowie Schüttgütern. Die Züge mit durchschnittlich 70 Wagen, je 70-80 Tonnen Zuladung, also mindestens 6000-7000 Tonnen Zuggewicht, was bei der russischen Breitspur möglich ist.

 

Darnach fuhren wir weiter nach Kalandaksha, um einzukaufen, Wasser, Diesel und Gas aufzufüllen. Das grösste Problem war Trinkwasser für unserern Tank zu finden.

 

Am nächsten Tag, 7. September fuhren wir weiter in Richtung Umba, eine landschaftlich wunderschöne Route mit Blick auf das weisse Meer.

 

Vor Umba bogen wir links ab, nordwärts und fuhren auf der alten Strasse Umba-Kirovsk. Es begann relativ gut, ab und zu etwas holprig, mit Löchern versehen. Nach dem Fluss Puma waren die Bücken dürftig zurechtgezimmert und  die Piste wurde immer schlechter. Die Strasse manchmal breit, manchmal schmal, führte durch ein Sumpfgebiet umsäumt von schönen Birkenwäldern und Seen so wie man Pisten liebt. Nach 58 km Piste und 4 ½ Std Fahrzeit erreichten wir ein Geisterdorf mit zerfallenen Holzhäusern und fanden dort einen Nachtplatz.

Am folgenden Tag verlassen wir das Dorf auf einer relativ guten Piste. Wir waren uns nicht bewusst,  was uns erwarten sollte. Nach 16 Kilometern gerieten wir auf schlammige, ausgefahrene Wege. Es hatte nachts recht stark geregnet, deshalb waren alle Löcher mit Wasser gefüllt. Nach einem Halt für ein kurzes Mittagessen wurde die schlammige, steinige Piste immer schwieriger. Angeschnallt, sich an den Sitzlehnen krampfend haltend, wurde man auf und ab, hin und hergeschüttelt.

Plötzlich kam lustigerweise ein Verkehrsschild 30 km pro Stunde. Kurz daraufhin sahen wir ein Haus und davor einen Sessel auf dem ein weisser Plüschbär sass. Wir waren in Inga angekommen. Susanne sprach mit dem Hausbesitzer und er erzählte uns, die Brücke über den Fluss sei in schlechtem Zustande, und die Fahrt durch den Fluss sei sehr gefährlich.

Am Ende des Dorfes trafen wir den Chef eines Reiseunternehmens, der in der Gegend Reisen organisiert. Er sagte uns, die Brücke in ca. 15 km sei für schwere Fahrzeuge nicht befahrbar. Man müsse durch den See, solle sich aber so nahe wie möglich beim Damm halten, der See und Fluss voneinander trennt. Die Durchfahrt sei sehr gefährlich, denn es gebe tiefe Stellen.
Ich schritt die Strecke durch den Wald zu Fuss ab und sägte einige Bäumchen weg. Die sumpfige Stelle befestigte ich mit einigen Steinen und Holz, die sofort im Wasser bzw. Sumpf verschwanden. Dies erlaubte die sumpfige Stelle zu passieren ohne aufzusitzen. Ich bin aber nicht durch das Wasser gelaufen – mein grösster Offroadfehler, den ich je gemacht habe.

Die Durchfahrt durch den Wald, die tiefe Sumpfstelle, die Steine bei der Seeeinfahrt meisterte der Duro problemlos. Da ich den See nicht zu Fuss erkundigt hatte und von der Einfahrstelle zur Ausfahrstelle fuhr, bin ich am Schluss zu sehr nach rechts geraten. Plötzlich war ich auf einen grossen Stein, möglicherweise einem Felsen blockiert. Der Duro war vorne mehr als ein Meter im Wasser, schwamm hin und her und hatte keinen Vortrieb mehr. Endlich hatte der Duro wieder Erdkontakt, zog an und wir waren zum guten Glück durch.
Leider haben wir uns einige gröbere Schäden geholt. Die Lenkstange ist verbogen, die Vorderachse hat einige tiefe Kratzer – hoffentlich nicht mehr, der hintere Tank ist ca. 10 cm eingedrückt und nicht mehr brauchbar, an drei Rädern verliere ich Oel, wobei an einem sehr viel, sodass ich jeden Tag auffüllen muss. Wir hoffen so noch nach Hause zu kommen.

Bald hielten wir an, es war unsere letzte Nacht auf der Piste, bevor wir nach Kirovsk gelangten. Nach rund 10 km über schlechte, holprige, löchrige Piste trafen wir dann auf die präparierte Piste und anschliessend auf die Teerstrasse nach Kirovsk.

 

Am folgenden Tag erreichten wir über eine ausgezeichnete Teerstrasse Murmansk, unser nördlichstes Ziel in Russland, wo wir vor einem neuen Einkaufszentrum die Nacht verbrachten.

 

In Murmansk füllten wir noch günstigen Diesel auf, bevor wir in Richtung der norwegischen Grenze fuhren. Die Stecke ist sehr abwechslungsreich mit vielen Seen. Sie führt aber durch ein streng kontrolliertes und mit Video überwachtes Militärgebiet. Auch wir wurden zweimal kontrolliert, aber ohne Probleme und sehr freundlich.

 

Die Ausreise aus Russland verlief problemlos aber sehr genau. Die Registrierung, die wir nicht gemacht hatten, wurde nicht überprüft, es gab keine weiteren Fragen, wo wir gewesen waren. Einzig die Fahrzeugkontrolle war zeitaufwendig, da ein junger Zöllner alles sehen und durchsuchen wollte.

Auch die Einreise nach Norwegen nahm viel Zeit in Anspruch. Grundsätzlich darf  kein Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleischprodukte eingeführt werden.

Nach gut anderthalb Stunden hatten wir beide Grenzkontrollen hinter uns und  konnten nach Kirkenes weiterfahren.

Wie wir dann nach Hause fahren, könnt Ihr im nächsten Bericht lesen.

Zusammenfassung Meinungen und Beobachtung

Dass die Russen mit der Korruption leben müssen und eine Minderheit den Reichtum konfisziert, ist ein offenes Geheimnis. Als Folge davon sind gewisse Strassen ausgebaut, und andere, insbesondere Nebenstrassen in kleineren Städten, in schlechtem Zustand. Ebenso ist die Kehrichtentsorgung nicht gelöst und der Abfall wird überall wild deponiert.
Es ist in Russland interessanter Beamter zu sein als Geschäftsmann, dadurch hat man Zugang zum Geldfluss. Da aber das abgezweigte Geld, wegen den Sanktionen nicht mehr ins Ausland verschoben werden kann, wird in riesige Immobilienwohnbauten investiert. Darauf hin wird versucht, diese zu verkaufen. So wird das Geld gewaschen ist.
Die Geschäftsleute die früher zu Geld gekommen sind, haben die Geschäfte schon lange ins Ausland verlegt. Sie reisen zwischen Moskau und ausländischen Städten hin und her. Moskau und Sankt Petersburg sind nicht repräsentativ für Russland – es sind Schaufenster.
Mehrere Russen, mit denen Susanne ins Gespräch kam, erklärten, die Lebensbedingungen und vor allem die finanziellen Mittel würden sich zunehmend verschlechtern. Sie hoffen auf den Abgang des Präsidenten, der anfänglich viel Positives für das Land getan hat. Leider ist niemand vorhanden, der ihn zur Zeit ersetzen könnte.
Von allen besuchten Ländern war Russland für uns das angenehmste Reiseland, vor allem wegen den hilfsbereiten und toleranten Menschen.