13. Feb. 2015 – 27. März 2015

Gesamtstrecke: 5025.03 km
Maximale Höhe: 2650 m
Minimale Höhe: 152 m

 

Durch den wilden Südwesten Richtung Norden

Ab San Antonio /Texas fuhren wir westwärts nach Del Rio, um uns dort nochmals reichhaltig mit Lebensmitteln einzudecken für den geplanten Besuch im grossen „Big Bend National Park“. Dieser liegt ziemlich abseits, und wir brauchten ab Del Rio noch 2 Tage, bis wir dort unsere 6-tägige Tour starten konnten – also Versorgung für 8 – 10 Tage war angesagt!

Bereits nach San Antonio wurde die Landschaft immer karger, hügeliger und stieg kontinuierlich an. Wir sahen einzelne Herden von Vieh und viele mit Toren zugesperrte Einfahrten zu Ranches. Dieselben waren aber meist nicht sichtbar oder enttäuschend klein. Wir hätten eigentlich viel mehr Herden erwartet, die – wie im Film – von einem berittenen Cowboy zusammen getrieben werden!!

Hier führt auch die Eisenbahnlinie durch. Als ehemaliger „Bähnler“ musste Karl natürlich öfters die angehängten Achsen zählen – auf gut deutsch lautete das Resultat zwischen 80 – 120 Güterwagen, dies heisst bis 480 Achsen mit 2-3 Lokomotiven vorn und 1 Lokomotifve hinten!


Am 17. Februar starteten wir nach (schlechter) Beratung im „Visitor Center“ unsere Rundtour im „Big Bend“ – es waren ganz herrliche, befreiende und naturnahe Tage. Die Wahl der Pisten und Routen war frei, aber die fürs Camping vorgesehenen Plätze (oft war man da alleine) im „back country“ mussten genau eingehalten werden, und den Hauptrouten entlang kontrollieren Ranger die Einhaltung dieser Vorschriften.


Nur ganz abseits auf schlechten Pfaden kann man sich eventuell einen „Seitensprung“ erlauben, nämlich einfach dort stehen zu bleiben, wo es einem gefällt. Davon haben wir einmal unbehelligt Gebrauch gemacht, weil es Abend wurde, und wir einfach nicht mehr zu unserem „gebuchten“ Platz fahren mochten.


Wir hatten auf abgelegenen Pisten mehrmals ein Texaner-Paar angetroffen mit ihrem roten Jeep Wrangler (mit Zelt und Hund). Sie hingegen hielten sich praktisch keine Nacht an reservierte Plätze, fuhren aber immer genug ins Abseits, so dass wohl kein Ranger da Lust hatte, Patrouille zu fahren!


An einem dieser Tage hatten Teddy und Nickole einen Riesenschreck: Als sie es sich mal etwas weg von der Hauptpiste gemütlich machen wollten, hörten sie ein drohendes Knurren/Fauchen, und ihr Bordercollie Mako rannte los. Sie sahen 2 „cougars“, also (erdfarbene) Pumas, die auch im Big Bend Park leben. Sie schrien Mako aus Leibeskräften „noooo“ nach, und zum Glück kam er zurück, während sich die beiden Pumas oder Berglöwen entfernten – wow, so etwas ist gefährlich für übereifrige Hunde!

Wir selber sahen sehr viele langohrige Hasen, Erdhörnchen, kleine Echsen und den Boden-Kuckuck, der lieber und sehr schnell läuft, als er fliegen kann. Er kann mit seinem grossen Schnabel sogar mancher Schlange gefährlich werden, die er auch gerne mal verspeist – ein energisches Kerlchen, dieser „Roadrunner“.

Die Landschaft ist grundsätzlich Steinwüste, doch das Wort „Wüste“ gebrauchen wir hier in Amerika nur mit grosser Zurückhaltung, wenn man die afrikanische Sahara kennt. Hier nennt sich Wüste, was wir nach afrikanischen Massstäben als Halbwüste oder Savanne bezeichnen würden, aber wunderschön ist’s trotzdem.

Da blühten gelbe, rosa und weisse Blümchen, es gab jene Menge von grünen Sträuchern und der Feigen-Kakteen, die aber noch nicht blühten, da waren wir wohl ca. 6 Wochen zu früh dran.

Auffallend häufig kam die Yucca-Pflanze vor, teilweise üppig blühend, im Knospenstadium oder gar schon verblüht mit ihren trockenen Samenkapseln.

Berge in allen Formen und Farben bestimmen hauptsächlich das Landschaftsbild, und man fährt ihnen entlang oder durch enge malerische Schluchten und durchquert weichsandige, trockene Wasserläufe.

Das Geländefahren kam natürlich auch zum Zuge, und Karl war in seinem Element v.a. bei der sehr schwierigen Passage des „Black Gap“, bei dem alle geländetauglichen Qualitäten des Duro voll ausgereizt werden konnten! Dank grosser Verwindungsfähigkeit, Schritttempo und einem Super-Chauffeur am Steuer glitt unser „Bär“ mühelos mit relativem „Fahrkomfort“ über Stellen mit tiefen Löchern und Schräglagen.

Das ganze Gelände ist total zerklüftet durch von den Bergen herunter strömendes Regenwasser. Ganz früher hatte sich gewiss auch der Rio Grande, Grenzfluss zu Mexico, mit tiefen Einschnitten ins Gebirge rein gefressen, doch den Rio Grande haben wir schlichtweg zu „Rio Piccolo“ umbenannt. Er ist maximal noch 5 – 10 Meter breit, an einigen Stellen könnte man nach Mexico rüber schwimmen und waten oder umgekehrt. Wenn Leute auf der anderen Flussseite waren, haben wir uns zugewinkt! Deshalb hat es auch überall patrouillierende Grenzpolizei-Fahrzeuge.

Der Rio Grande entspringt in den Rocky Mountains (Colorado, USA) und fließt durch den US-Bundesstaat New Mexico in Richtung Süden. Ab der texanischen Grenze bei El Paso bildet der Rio Grande die Grenze zwischen den USA (Texas) und Mexico und mündet schliesslich auch in den Golf von Mexico. Allerdings ist bis dahin vom „wilden Fluss“ nicht mehr viel übrig, denn er wird in großem Maße vorher zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen angezapft.

Nach 6 Tagen Big Bend –Tour verliessen wir den Park nordwärts, weil sich ein Wetterumschlag ankündigte.

Den bekamen wir dann in der letzten Februarwoche Richtung Alpine – Carlsbad (New Mexico) in Form einer radikalen Abkühlung von ca. 20 Grad ganz deutlich zu spüren: Wieder Minuswerte in der Nacht nach lauen Nächten im „Big Bend“. Ein dichter Nebel fror sich am Auto, den Scheiben und auf der Strasse fest – es war richtig deprimierend, 2 Tage so zu reisen, aber immerhin befanden wir uns auf einer Höhe von ca. 1800 m.ü.M. Bereits Richtung Big Bend hatten wir laufend an Höhe gewonnen, und das sollte nun im Südwesten eigentlich so bleiben.

In Carlsbad (New Mexico = NM) wärmten wir uns in den ganzjährig konstant 13 Grad warmen Tropfsteinhöhlen und Begehung derselben auf. Die sich ständig verändernden Kalkstein-Formationen der vom Boden aufragenden Stalagmiten und der von der Höhlendecke herunter hängenden Stalaktiten versetzen den Besucher in eine unterirdische Wunder- und Märchenwelt. Diskrete Beleuchtungen setzen entsprechende Akzente.

Als wir wieder zum Parkplatz zurück kehrten, entdeckten wir zu unserer grossen Ueberraschung das grosse deutsche Mercedes-LKW-Wohnmobil von Tina und Werner Schmid, die wir ja in Florida bereits kennen gelernt hatten. Wir waren immer mal per E-Mail in Kontakt, aber dass sich hier unsere Wege unverhofft kreuzten, war eine grosse Ueberraschung!

Zusammen fuhren wir dann nach „White Sands National Monument“ (NM), ein weiteres Wunderwerk der Natur. Das ist eine riesige Dünenlandschaft mit bis zu 15 Meter hohen, sich ständig verändernden, blendend weissen Hügeln, eine unvergessliche Augenweide! Wüstenfahrern unter Euch mag die „Weisse Wüste“ in Aegypten ein Begriff sein – so etwa sieht es auch hier in White Sands /New Mexico aus. Was aber hier wie feiner, weisser Sand aussieht, sind in Wirklichkeit aus Gipsablagerungen entstandene winzige Kristalle, die aus dem nahen Lake Lucero stammen und per Wind heran getragen und dann auf den Dünen abgelagert werden.

Das White Sand National Monument umfasst nur die Südhälfte der Dünen, denn ein Grossteil der Gipswüste befindet sich leider auf Militär-Gelände, einem Waffentestgebiet und Ausbildungslager, und darf natürlich nicht betreten werden. Die Dünen dürfen (natürlich) nicht befahren werden, aber man kann sich zu Fuss auf und zwischen ihnen austoben, so viel man mag! Zum Glück besserte sich das Wetter wieder und erholte sich langsam von der starken Kälte-Attacke.

Nach 3 Tagen Erholungszeit mit Schreib- und administativen Arbeiten auf der ca. 1800 Metern über Meer liegenden wunderschönen Freizeit-Anlage (Recreational Area) Aguirre Springs (NM) ging’s weiter zur nahen Stadt Las Cruces, wo wieder mal verschiedene Besorgungen angesagt waren. Wer hier hohe und markante Häuser erwartet, erspäht die Wüstenstadt lange nicht, die fast ausschliesslich aus niedrigen rötlichen Lehmbauten besteht – so ähnlich wie in Afrika.

Mit der Weiterfahrt nach Westen gelangten wir anfangs März in den Bundesstaat Arizona (= AZ).

Dort steuerten wir auf einer Pisten-Querverbindung durch den Coronado National Forest die legendäre Wildwest-Stadt Tombstone /AZ an.

Dieser Ortsname heisst zu Deutsch „Grabstein“, wohl, weil da zu wilden Cowboyzeiten sehr viel geschossen und getötet wurde, wovon auch der Friedhof zeugt. Im Zentrum des Städtchens reihen sich die Läden mit Cowboy-Outfits und Souvenirs eng aneinander, aber sonst mutete uns dieser seltsame Ort etwas trostlos an. Unsere Erinnerung an diesen Besuch wurde doch noch etwas aufgeheitert durch einen Drink in einem echten „Saloon“, wo wir nebst fröhlicher Atmosphäre und fröhlichem Servierpersonal beschwingte Western Music genossen. Gar gemütlich war es in diesem traditionellen Lokal, aber unser Pflichtgefühl Larissa gegenüber, die natürlich wie üblich im Auto warten musste, liess uns dann doch nach einer Stunde wieder zurück kehren.

Die Nacht verbrachten wir ausserhalb der Ortschaft (drin war das „Overnight Camping“ verboten…) in der Prärie zwischen Kühen und heulenden Koyoten. Am Morgen erkundigte sich dann aber ein Ranger doch ganz besorgt, ob wir ihm ganz sicher kein „cattle“ (Vieh) stehlen würden….. Wir zeigten ihm unseren beschränkten Platz im und auf dem Dach des Wohnmobils und dass es uns wirklich unmöglich wäre, so eine Kuh zu transportieren!!

Unser nächstes Ziel war der Raum Tucson /AZ. Das liegt tief, so um die 300 m.ü.M., und es war da auch entsprechend heiss. In dieser Gegend spriessen die Riesenkakteen „Saguaro“ immer mehr aus dem Boden, und zwar je steiniger und felsiger, desto mehr Kakteen. Es gibt da eine Rundtour „East“ östlich der Stadt und eine solche westlich davon, die „West“. Der Fotoapparat kommt da gar nicht mehr zur Ruhe, denn jeder Saguaro (ausgesprochen als „Sawaro“) ist wieder eine Kreation für sich.

Kakteen wachsen langsam und können bis zu 250 Jahren alt und 15-20 Meter hoch werden. Im Laufe der Jahre beginnt er, Seitenarme zu produzieren.

Ganz in der Nähe liegtder „Organ Pipe Cactus National Monument“ – Park.

Diese Kakteen haben wirklich die Form von Orgelpfeifen, die da nebeneinander in die Höhe ragen.

Dann gibt es noch den kleinen, sehr buschigen Kaktus mit dem Namen „Teddybear“. Wir kamen ihm Beide zu nahe und mussten nachher die langen Dornen einzeln aus unseren Schuhsohlen ziehen.

Aehnlich bedrohlich stellte sich der „Fruitchain“-Kaktus an, der seine Früchte wirklich kettenmässig trägt. Selbst wenn man sich mit Abstand rund um den Busch oder kleinen Baum bewegte, hefteten sich grössere stachlige Dinger an Schuhe, Socken und Hosen, die nur mittels Werkzeugen entfernt werden konnten, um sicher zu gehen, nachher keine Dornverletzungen an den Händen zu haben.

Dagegen haben Kakteen auch ihre wunderschönen Seiten wenn sie blühen.

Die Fahrt nordwärts nach Ajo /AZ legten wir wieder mal auf Pisten zurück, anfangs recht gute, dann bekam der Weg immer mehr Aehnlichkeit mit einem Bachbett, total ausgewaschene tiefe Löcher, so dass Duro-Bär und sein „Dompteur“ wieder voll gefragt waren. Was wir dieses Mal nicht ausweichen konnten, waren die vielen (Dorn)büsche und –bäume, welche die schmale Piste eng säumten und so unserem Bären unschöne Kratzspuren verpassten.

Unterwegs fanden wir schöne Uebernachtungsplätze in der Halbwüste.

In Ajo parkierten wir dann vor die öffentliche Wäscherei (Laundromat) und belegten ebenfalls 2 der ca. total 20 Waschmaschinen. Einige Hausfrauen erklärten uns geduldig die Bedienungsweise der Waschmaschine und des Tumblers. Das Sauberkeits-Resultat ist nicht immer überzeugend, da keine Vorwäsche stattfindet, sondern nur ein Hauptgang von ca. einer halben Stunde plus Spülen und Schwingen. Auch wenn man die Temperatur „hot“ wählt, ist ungewiss, wie weit das im Innern aufheizt, aber immerhin riecht nachher alles wieder frisch, auch ohne „glänzende Sauberkeit“.

Phoenix /AZ ist eine heisse Wüstenstadt mit einem bewundernswerten Bewässerungssystem und vielen schön angelegten Steingärten und Kaktus-Pflanzungen, oder auch mal einem kleinen grünen Rasen mit Palmen. Sie ist die fünftgrösste Stadt der USA.

Oestlich der Stadt hatten wir uns wieder mit der Mercedes-Crew Tina und Werner (vgl. oben) verabredet. Zusammen befuhren wir Mitte März im Tonto National Forest den sog. „Apache Trail“.

Das ist die frühere Postkutschen-Strecke ab Apache Junction (östlich von Phoenix) bis zum Roosevelt-Stausee, vorbei am malerischen von Bergen umgebenen Apache Lake und Fahrt durch enge und farbige Schluchten, wohl ein Vorgeschmack auf den Grand Canyon! Zaghaft blühten hier die ersten Kakteen am Pistenrand!

Auf dem Weg liegt die ursprüngliche Kutschen-Station, „Tortilla Flat“, ein wildwestlicher Saloon mit Verkaufsläden, auch heute noch in Betrieb und natürlich mit viel beschwingter Live- Cowboymusik.

Während dieser 4 Tage genossen wir die Geselligkeit und die lustigen Abende zu viert draussen am Lagerfeuer, allerdings mit Jacken und Decken ausgerüstet – aber gemütlich war’s trotzdem! Die Nächte sind immer sehr frisch, tagsüber meist um die 20 Grad).

Via Holbrook erreichten wir den „Petrified Forest Park“ (AZ), ein Riesengebiet mit versteinertem Holz. Hier trennten sich nun die Wege von Tina/Werner und uns wieder, denn sie haben noch sehr viel mehr Zeit als wir, die wir nun wirklich langsam aber sicher nordwärts fahren müssen, um auch noch viele sehenswerte Nationalparks zu besuchen.

Hier wurde ein 180 Mio. Jahre alter versteinerter Wald durch den Erosionsprozess nach und nach frei gelegt, und die ehemaligen Holzzellen haben sich in Laufe unendlich langer Zeit durch das Abschneiden von Sauerstoff und Einsickern von silikathaltigem Grundwasser (Kieselsäure) in teils farbenprächtige Quarzkristalle verwandelt. Dabei blieben meist auch das äussere Bild eines Baumstammes mit Rinde oder Jahrringen in verquarzter Qualität noch erhalten – sie sind noch sehr gut als ehemalige Baumstämme erkennbar!

Die von zu Hause mitgeführten Reiseführer „Stefan Loose Travel Handbücher“ sind für Selbstfahrer wie wir total ungeeignet. Von anderen Europa-Reisenden bekamen wir mit, dass die Serie „Reise Know-How“ am meisten Infos hergeben. Wir konnten davon online 3 Bände bei einem amerikanischen Buchversand bestellen als Sendung „Poste Restante“ ans Postbüro in Kingman /AZ. Also nix wie los Richtung Westen via Flagstaff (2‘200 müM, mit letzten Schneeresten am Strassenrand) – Kingman.

Dort auf dem Postbüro fanden sie aber kein Bücherpaket, entdeckten aber elektronisch irgendeine Spur der Sendung. So gingen wir an 3 aufeinander folgenden Tagen dort vorbei und hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, als sich der Supervisor des Postbüros die Mühe nahm, den halben Betrieb mit Suchen auf den Kopf zu stellen – und tatsächlich fand er die 3 Bücher-Päckli irgendwo auf einem Haufen. Er belehrte uns, dass das „Poste Restante“ in USA nicht verstanden würde und die Sendung drauf und dran war, an den Absender zurück geschickt zu werden. Für alle jetzigen und zukünftigen Amerika-Reisenden möchten wir somit weitergeben, wie eine Sendung generell adressiert sein muss, wenn sie „postlagernd“ an ein Postbüro geht und dort für Abholung aufgehoben werden soll:

Vorname und NAME
GENERAL DELIVERY
Ort, Staat & Postleitzahl, z.B.: Kanab, UT 84741 (USA)

In Kingman mussten wir uns nun entscheiden, wie die Weiterreise aussehen soll: entweder weiter nach Westen nach Las Vegas und von dort ins „Death Valley” nach Kalifornien etc. oder direkt weiter nach Norden Richtung Utah durch die Berge für z.B. Grand Canyon, Bryce- und Zion Canyon etc. Wir entschieden uns für letztere Version, da die Wetterlage weiterhin gut und nicht allzu kalt aussah.

Bei der Rückfahrt nach Osten von Kingman nach William statteten wir dort dem „Drive Thru Zoo ‚Bearizona‘ „ noch einen Besuch ab, der uns sehr gut gefallen hat.

Da befährt man mit dem Auto im Schritttempo die vorgeschriebenen Wege, während links und rechts die Wildtiere offen und ohne Zäune leben. Es handelte sich lediglich um Tiere aus Nordamerika, z.B. Bergziegen, wilde Schafe, amerikanische Wildesel, dann helle und dunkle Bisons, Tundra- und Arktis-Wölfe, Schwarzbären, deren drolligen Spielen man stundenlang zusehen könnte! Die Tiere haben alle einen schönen und nur beschränkt eingeengten Lebensraum, und der Besuch hier lohnte sich wirklich. Auch kann man so die Anlagen und Fütterung der Tiere mit unterstützen.

Seit Flagstaff fallen uns viele indianisch-stämmige Leute auf. Teilweise konnten sie sich ins amerikanische Leben integrieren, doch leider nicht vollständig, und viele leben noch immer in benachteiligten sozialen Umständen.

Am 23. März 2015 erreichten wir den Grand Canyon (AZ) – genau an diesem Tag vor 6 Monaten waren wir nach Halifax /CAN geflogen. Auf unser 6-monatiges Unterwegssein haben wir angestossen und uns einen grossen Luxus geleistet, nämlich einen Helikopter-Rundflug über den ganzen Grand Canyon.

Er dauerte ca. 50 Minuten und kostete pro Person $ 289.-, aber das lohnt sich wirklich! Wir waren 7 Fluggäste und über Kopfhörer miteinander verbunden. Beim Erreichen des Südost-Randes des Canyons war der Eindruck einfach überwältigend, und zusammen mit entsprechender klassischer- und Filmmusik aus dem Kopfhörer erfassten uns wirklich Emotionen und Ergriffenheit ob so einer Erhabenheit und „greatness“ der Natur, dass dafür einfach die Worte fehlen. Hoffentlich geben die Bilder einen Abglanz dieser gewaltigen Eindrücke wieder, obwohl die ganze Weite hinter den Scheiben des Helikopters und mit der hochstehenden Sonne bzw. im Gegenlicht mit dem Fotoapperat nicht eingefangen werden kann.

Wir schwebten über der Schlucht und sahen weit unten als grünliches Band den Colorado River, unter und neben uns erhoben sich immer wieder neue, teils sehr farbige Felswände – es war so unwirklich, wie ein Traum und doch so eindrücklich!

Anschliessend fuhren wir noch selber hoch zum Besucherzentrum, von wo aus man sich zu Fuss von verschiedenen Aussichtspunkten aus wunderschöne Ausblicke in die Schlucht verinnerlichen und aufs Bild bannen kann. Ebenso bot die Weiterfahrt nach Norden noch weitere unvergessliche Ausblicke, auch auf den Colorado River runter.

Die Weiterfahrt nach Page (AZ) ist wie ein abwechslungsreicher Film: seltsame, bizarre farbige Sandsteinformationen, dann wieder rotfarbige Felsen in allen Formen, die wie hin gestellte Monumente in der Landschaft „sitzen“. Dann thronen über uns säulenartige in der Länge gespaltene Felsen, wie aneinander gereihte Menschen oder Orgelpfeifen – es ist manchmal fast zum „Verrücktwerden“, dass man nicht überall anhalten und sich das näher ansehen kann.

Bei Page gab’s dann aber zwei ganz grosse Sehenswürdigkeiten:

Den sog. „Horseshoe“, also das „Hufeisen“. Da schlingt sich der Colorado River um einen Rundfelsen und formt so vom Aussichtspunkt aus eine hufeisenförmige Wasserschlaufe. Wie meistens liegen solche Schönheiten nicht gerade am Weg, sondern man muss sich zu Fuss auf nicht allzu guten Pfaden dahin begeben. Hier ging’s über eine Düne und dann weit runter zum Felsplateau, wo sich die meisten Photographen – inkl. Karl – auf den Bauch legen mit überhängender Kamera, um die ganze Rundung des Flusses aufs Bild zu bekommen.

Dann ging’s weiter zur „Antelope-Schlucht“, für deren Begehen doch einige körperliche Kondition vorausgesetzt wird. Karl nahm die Herausforderung an (ich mutete mir diese Kraxelei nicht zu). Mit einem Führer marschierten sie kurz zu einer schmalen waagrechten Spalte. Dort stieg jeder hinein und gelangte dann durch ca. 80 Treppenstufen in die Schlucht herunter. Auch dort ging’s natürlich nicht schön eben geradeaus, aber wer das machen kann, fühlt sich gewiss jeglicher Wirklichkeit entrückt. Die folgenden Bilder sollten vermutlich in der Lage sein, Euch diese Herrlichkeit vor Augen zu führen. Das von oben durch die Spalte eindringende Sonnenlicht reicht aus, um eine solche Szenerie zu erleben und auch im Bild festzuhalten.

Jetzt gerade befinden wir uns in Kanab im Staat Utah und versuchen, hier eine der wenigen Bewilligungen für die „Wave“ zu erhalten – etwa das würden wir uns wünschen:

Jeden Tag werden hier nur 10 Personen für diese Bewilligung ausgelost. An dieser Verlosung nehmen aber täglich 100 – 200 Personen teil. Nun könnt Ihr Euch vorstellen, wie klein die Chancen für einen Bewerber sind. Karl hat nun bereits an 2 Vormittagen erfolglos teilgenommen – morgen folgt das dritte und letzte Mal. Ob dies erfolgreich ausfällt, könnt Ihr im nächsten Bericht nachlesen!

Noch weitere Naturwunder warten auf uns hier im Bundesstaat Utah. Wir müssen die Zeit aber gut einteilen, da wir am 14. Mai absolut die USA (nach Kanada) verlassen müssen (6-monatiges Visum!) und die Distanzen in diesem Land einfach riesig sind. Ueber unsere weiteren Entdeckungen hier in Nordamerika berichten wir gerne später wieder! Bis dann also have a good time.