23. Okt. – 15. Nov. 2014

Gesamtstrecke: 3337.1 km
Maximale Höhe: 714 m
Minimale Höhe: -17 m

 

Durch die Provinzen Nova Scotia, Brunswick, Québec

Am 23. Oktober sind wir mit neuem Getriebe und ganz neuem Reisegefühl bei strömendem Regen und Nebel nordwestlich gefahren nach Truro (NS), dann in die nächste Provinz „New Brunswick. Von der Landschaft bekamen wir bei diesem garstigen Wetter nicht viel mit, ausser, dass die Wälder etwas weniger wurden und teils noch ungeschnittene Maisfelder zu erkennen waren. Die vorher so schön farbigen Wälder wiesen wie verwandelt fast kahle Laubbäume auf, denen der laufende Herbststurm arg zugesetzt hatte. Sie waren bestenfalls noch mit etwas gelbem Birkenlaub versehen; Ahornbäume gibt es da oben kaum mehr. Auch gelb verfärbten sich die Lärchenbäume, welche ja als Einzige ihre Nadeln über den Winter verlieren.

Seit unserem erfolgreichen Getriebe-Austausch machte aber das Wetter gar nicht mehr mit, und mit ganz wenigen Ausnahmen bot sich uns mehrheitlich Grau in Grau an. Trotzdem wollten wir nicht einfach durch Kanada rasen und wagten noch einen Abstecher in eine weitere, nördliche Provinz, nämlich die Prince Edward Island (P.E.I.). Wir benützten dafür von New Brunswick aus die Confederation Bridge, eine 13 km lange Brücke über die atlantische Meerenge „Northumberland“. Sie gehört weltweit zu den längsten Brücken, verbindet aber die kleinste Provinz Kanadas (P.E.Island) mit dem Festland. Sie ist ein gigantisches Bauwerk, das bei schönem Wetter voll zur Geltung kommt (laut Internet!) – wir jedoch haben nur ein grau-weisses Bild erstellen können. Die Brückenbenützung kostet übrigens hin und zurück C$ 45.–.

Die P.E.I. gilt wohl als bevorzugte Wohnlage, ist wunderschön hügelig, mit viel Landwirtschaft, rund herum von Meer umgeben, aber im Sommer wohl zu sehr touristisch überfüllt. Die Häuser sind hier grosszügiger gebaut als in New Brunswick. Das nasskalte Wetter und der ruppige Wind liessen uns aber nicht oft aussteigen und an die wild überfluteten Strände waten.

Zurück in New Brunswick, ging’s weiter nach Shédiac (französisch-sprachig), einer kleinen Stadt an der Northumberland-Bucht, die sich nun aber selber zur „Lobster Capital of the World“ (Welthauptstadt des Hummers) ernannt hat, und ihr Wahrzeichen ist eine überdimensionale Hummer-Skulptur.

Das Angebot an Meeresfrüchten ist gross überall entlang des Atlantiks. Wir assen genüsslich Fisch im Motel, wohin wir während der Getriebe-Reparatur in Halifax ausweichen mussten. Auch probierte Karl mal etwas Hummer in Form einer sog. „Lobster-Roll“, und ich habe mich inzwischen mit dem Fisch namens „Haddock“ (Schellfisch) angefreundet. Dazu werden meist „Fries“ serviert, so eine Mischung zwischen Bratkartoffeln und Pommes Frites.

Tags darauf regnete es mal einige Stunden nicht, so dass wir in Moncton den „Magnetic Hill“ mit unserem Auto testen konnten. Da fährt man bis zu einem gewissen, markierten Punkt, legt den Leerlauf ein und löst sämtliche Bremsen. Das Auto beginnt tatsächlich (scheinbar) bergauf zu fahren mit ca. 8 Stundenkilometern. Verdutzt sitzt man da im Fahrzeug oder schaut von aussen zu, versteht die Welt nicht mehr und glaubt an ein Wunder oder an Erdmagnetismus. In Tat und Wahrheit handelt es sich hier aber um eine rein optische Täuschung durch das nachherige steile Ansteigen der Strasse auf der Gegenseite. Wenn man also vom markierten Punkt aus im Leerlauf scheinbar bergauf gezogen wird, rollt man in Tat und Wahrheit leicht bergab. Von Auge ist das aber nicht erkennbar. Trotz Schabernack ist es ein lustiges Erlebnis!

Die Südküste von New Brunswick hat einige Naturphänomene mit bemerkenswert grossen Gezeitenunterschieden aufzuweisen. So fuhren wir zur nahen Fundy Bay, wo pilzartig geformte Felssäulen aus dem nassen Meeressand ragen. Bei Ebbe kann man auch über eine steile Treppe zu ihnen runter steigen und bis weit hinaus im Watt herum waten. Sie heissen „Hopewell Rocks“, bzw. „Flower Pots“. Natürlich muss man sich ganz genau beim Ranger oder per Internet über den Ebbe- und Flut-„Fahrplan“ erkundigen. Karl erlebte die kommende Flut, indem er nicht mehr dort zurückkehren konnte, wo er vor ca. 10 Minuten noch passierte.

Der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut kann hier bis gegen 15 Meter betragen, so dass das Wasser die Felsen so weit bedeckt, dass die Sträucher und Bäumchen darauf wirklich noch wie Gewächse in einem Blumentopf aussehen. Wir jedenfalls haben das nicht so beeindruckend erlebt, vielleicht einen Gezeiten-Unterschied von etwa 8-10 Metern. Der Ranger zeigte uns Bilder, die überwältigend waren und erzählte auch, dass diese Gezeitenunterschiede stark vom Mond abhängig sind, also um den Vollmond herum hat man grössere Chancen, wirklich „Blumentöpfe“ und „Pilzköpfe“ zu bewundern. Bei uns war der Mond damals in einer erst zunehmenden Phase.

Trotz wieder grauen und nassen Wetters besuchten wir in der Brunswicker-Stadt Saint John den „Reversing River“ (rückwärts fliessender Fluss). Tatsächlich bot sich uns folgendes Schauspiel: Bei Ebbe fliesst das Wasser des breiten Saint John Rivers Richtung Meer, wie das ja normalerweise der Fall ist. Plötzlich fiel uns auf, dass sich das Wasser des Flusses immer langsamer meerwärts bewegte, ja eine gute Weile praktisch still stehen blieb. Weiterhin verdutzt sahen wir dann plötzlich ein deutliches Rückwärtsfliessen des Flusswassers, denn die Flut drückt auch hier sehr stark und nachhaltig Richtung das Landesinnere. Einheimische sagten uns, dass dieses Schauspiel um Vollmond herum noch viel ausgeprägter zum Ausdruck komme. Uns kam der bei uns übliche, beschwichtigende Ausspruch in den Sinn: „Wäge dem flüsst ja de Rhy nid obsi!“ Das können die Brunswicker nun einfach nicht behaupten von ihrem Fluss!!

Nun wollten wir endlich wieder etwas vorwärts kommen und verliessen Brunswick via die Hauptstadt Fredericton nordwärts, teils durch Flusstäler und einsame Landschaften nach Campbellton (Grenze zur Provinz Québec). Unter anderem befuhren wir die längste gedeckte Brücke der Welt. Unser nächstes Ziel war der Saint Lawrence River (St.Lorenz-Strom). Den erreichten wir am 1. November in der Stadt Matane in der Provinz Québec.

Wir buchten die Fähre für die Ueberquerung des Lorenz-Stroms am Sonntag und erhielten auch Angaben für eine öffentliche Wäscherei in Matane. Die belegten wir am Samstag gleich mit 2 simultan laufenden Waschmaschinen (mit Münzen). Seit ja praktisch alle Campingplätze geschlossen sind, fallen jene Orte zum Waschen schon mal weg.

Am Sonntagnachmittag, 2. November, überquerten wir also den St.Lorenzstrom in nordwestlicher Richtung . Dieser war durch den Sturmwind aber so bewegt, dass sich Larissa und ich (wie üblich im Schiffsbauch unten im Fahrzeug) ziemlich ungemütlich fühlten. Larissa jammerte leise vor sich hin, ich kauerte neben ihr, versuchte sie zu beruhigen und bin zum Glück relativ „seefest“, aber schlafen oder lesen konnte ich dennoch nicht, denn das bewegte sich zu sehr auf und ab, viel stärker als auf den vielen grossen, meertüchtigen Autofähren, die wir schon oft nach Island, Afrika oder Griechenland erlebten. Diese Lorenz-Fähre ist unseres Erachtens viel zu klein für diese argen Wogen, die wie auf offenem Meer toben können.

Karl hingegen verbrachte die 2 ¼-stündige Ueberfahrt oben im Aufenthaltsraum und auf Deck zum Photographieren. Er, der ewig Seekranke, hat aber alles gut überstanden; scheinbar war das oben weniger spürbar, oder die Ablenkung und Faszination waren gross genug. Er erzählte, dass sich anfangs so ziemlich alles grau in grau präsentierte, dass aber nach etwa einer Stunde die Wolkenwand durch die untergehende Sonne buchstäblich aufgerissen wurde und sich der ganze Himmel blutrot färbte. Karl erzählte begeistert, der ganze Himmel über dem Meer hätte lichterloh gebrannt!

Bei stockdunkler Nacht um 17 h erreichten wir mit der Fähre das kleine Dorf Godbout, und als wir aus dem Schiffsbauch fuhren, nahm gerade ein Schneesturm seinen Anfang. Wir blieben praktisch beim Hafen stehen, da im nahen Umkreis alles mit Campingverboten belegt war. Aus der Wärme heraus war es lustig anzusehen, wie die weissen Flocken waagrecht herum gepeitscht wurden, und am folgenden Morgen lagen doch tatsächlich 4 – 5 cm Schnee, teils stark verweht, rund herum! Wir wollten noch die nächste Fähre von Matane her abwarten zum Photographieren. Sie kam mit fast einer Stunde Verspätung an, weil die Wogen nun noch höher waren als am Vortag, und die Rückfahrt würde sie vorläufig nicht mehr antreten, da das die geladenen Autos im Schiffsbauch zu sehr gefährden würde.

Inzwischen hat hier in Canada auch die Umstellung auf Winterzeit stattgefunden plus noch eine Stunde mehr durch die westlichere Lage. Somit haben wir nun zeitlich 6 Stunden früher hier als in der Schweiz.

Der Strassenverlauf ist meistens schnurgerade, aber ein ständiges Auf und Ab. Nicht selten betragen die Steigungen oder Gefälle bis zu 15%. Dies begann bereits in der Provinz Brunswick und steigerte sich eher noch in der Provinz Québec und nördlich der Stadt Québec.

Immer wieder werden neue Häuser gebaut. Dies geschieht vorwiegend nur mit Holz, nicht unterkellert und oft mit sehr wenig Isolationsschicht. Wir fragen uns immer wieder, weshalb in Canada mit den harten Wintern nicht besser isoliert wird. Vermutlich haben sie einfach noch zu viel Holz zum Verfeuern in ihren Wäldern?

In der ganzen Provinz Québec wird einheitlich nur französisch gesprochen. Die Bevölkerung hier sowie auch teils in Brunswick und Nova Scotia, stammt von französischen Einwanderern ab, die im 17. Jahrhundert von der Bretagne und Normandie her Canada zu besiedeln begannen. Viele wurden durch die Engländer einige Jahre später wieder vertrieben, teils konnten sie sich retten – deshalb die immer wieder kleinen französisch-sprachigen Gebiete in ganz Nord-Ost-Kanada.

Kanada ist kein Billigland. Die Lebensmittelpreise sind wie bei uns, Milchprodukte, v.a. Käse, sogar teurer, auch Fisch ist kostspielig und meist nur in für uns zu grossen Portionen erhältlich. Etwas günstiger erscheinen uns das Fleisch und die Bekleidung. Zu allen Preisen kommen noch durchschnittlich 15% Steuer hinzu.

Zum Alltagsverkehr gehören die gelben Schulbusse, welche die Kinder nahe von zu Hause abholen und nachmittags wieder zurück bringen. Hält so ein Bus an, blinken hinten grosse Lichter, und kein Fahrzeug darf den stehenden Bus überholen. Für den Gegenverkehr schwenkt der Bus eine grosse rote Stop-Tafel nach links aus. Auch der Gegenverkehr muss anhalten, um keine aussteigenden Kinder zu gefährden. Um sicher zu stellen, dass sich kein Kind im blinden Winkel des Fahrers befindet, schwenkt dieser auf der vorderen Stossstange noch einen Stab waagrecht nach vorne aus, damit kein Kind zu nahe vor dem Auto durch geht. Diese Art von Schulweg für die Kinder hat sicher auch eine gute soziale Funktion, da sie sich ja auch im Bus (lautstark) unterhalten können.

Wir frühstücken jeweils genüsslich, am Mittag essen wir nur kurz, möglichst mit warmem Tee oder einer Suppe, aber abends kochen wir richtige Menues mit Fleisch und Gemüse. Das Kochen heizt dann auch wieder für eine Weile unseren Wohnraum auf, denn es ist seit dem St.Lawrence River (St.Lorenzstrom) doch immer kälter geworden, tagsüber wenig über Null, nachts Minus-Grade, und die Heizung läuft dann auf Volltouren.

Das Brot ist ein spezielles Kapitel wohl in ganz Nordamerika. Es gibt in Kanada nur „Schwammbrot“, meist vorgeschnitten in der Packung, bereit zum Toasten. Deshalb haben wir uns einen billigen Toaster bei Walmart erstanden, um dem Brot wenigstens etwas mehr Festigkeit zum Bestreichen zu vermitteln sowie auch ein etwas angenehmeres Aroma. Zum Selberbacken konnten wir uns bis anhin aber noch nicht aufraffen, könnte aber durchaus mal noch stattfinden!

Vom oben erwähnten Godbout am St.Lorenz-Strom fuhren wir auf der sog. Nordroute dem Lorenzstrom in südwestlicher Richtung entlang weiter. In Forestville wurden wir mit einem weiteren schwerwiegenden Schaden an unserem Fahrzeug konfrontiert: Die schon seit Halifax aufgetretenen Vibrationen am ganzen Fahrzeug beim Bremsen gerieten ob des Getriebeschadens in den Hintergrund, Karl tippte auf Rost- oder andere Rückstände auf den Bremsbelägen, die mit der Zeit automatisch eliminiert würden. Zwischendurch schien es uns auch besser.

Auf besagter Route wurde uns das zunehmende Verschütteln des ganzen Fahrzeugs beim Bremsen doch unheimlich. In einer Werkstatt in Forestville stellte man fest, dass die linke hintere Bemsscheibe einen Riss aufwies. Dies rührte von Ueberhitzung her, weil sich die Bremsbeläge nicht mehr sauber vom Rad lösten durch verrostete Bremszylinder. Wir und unser Servicetechniker, Andreas Bauer, standen vor einem Rätsel, denn anfangs Jahr wurde die ganze Hinterachse revidiert und im August nochmals alles kontrolliert. Somit muss wirklich die Standzeit des Fahrzeugs an den Häfen von Hamburg und Halifax sowie die Schiffsreise selber mit viel Salzluft für diese Schäden gesorgt haben, denn auf der Fahrt nach Hamburg merkte Karl noch rein gar nichts, aber in Halifax waren die ersten Vibrationen beim Bremsen bald spürbar.

Wie also wieder das neue technische Problem lösen? Zu Beginn steht man da immer vor einem grossen, unüberwindlichen Berg. Wenigstens beruhigte mal die sofortige Verfügbarkeit der Teile bei Andreas Bauer, aber wohin senden und wo reparieren? Die Werkstatt sagte uns, dass es bis zum Erhalt der Teile in Forestville 2 – 3 Wochen dauern könnte.

Sehr vorsichtig fuhren wir noch die ca. 300 km südlich nach Québec-City. Wir fuhren gleich zum Flughafen und konnten mit der Air Canada, Cargo, bereits sehr viel in die Wege leiten. Sie vermittelten uns sogar eine sehr gute, grosse Lastwagen-Werkstatt. Mit ADAC München konnten wir uns über den Versand absprechen. Das war am Mittwoch, 5. November, und am Montag, 10. November konnten wir gegen Mittag unser Ersatzteil-Paket direkt bei Air Canada in Empfang nehmen.

Das ist ein toller Service von allen Beteiligten – an Andreas Bauer auch nochmals herzlichen Dank für Rat und Tat! Trotzdem wurden die erneuten Wartetage in Québec-City lang, da wir teilweise bis -6 Grad nachts hatten und tagsüber kaum über Null plus starker, kalter Nordwind. Wir verbrachten die meiste Zeit im geheizten Wohnteil, gingen einkaufen oder wagten uns in Winter-Montur mit Larissa ins Freie. Auch schlug uns das erneute Festsitzen bei solchem Wetter auf die Stimmung. Wir standen wiederum auf dem Parkplatz einer Walmart-Filiale, wo wir uns die Zeit dank free Wifi verkürzen und auch mit ADAC, Air Canada und Andreas Bauer in Verbindung sein konnten.

Dabei hatten wir ja absolut keinen Grund, unzufrieden zu sein bei so optimaler Bedienung und auch einem Stellplatz mit Wifi. Wiederum mussten wir sagen, dass wir viel Glück im Unglück hatten und dass wir auch noch sicher bis Québec-City kamen, wo sich ein internationaler Flughafen befand. Unvorstellbar, wenn solche Probleme vor einem guten Jahr in Russland, der Ukraine oder in Georgien/Armenien aufgetreten wären oder auch früher in Afrika.

Bei den langen Stehzeiten in Neufundland, Halifax und Québec hat sich unsere neue Elektrik von Mastervolt mit Lithium-Ionen-Batterien sehr bewährt – wir wären mit unserem alten System ohne Stromzufuhr ab Netz schon nach 1-2 Tagen „energielos“ dagestanden. In Québec haben wir bei schlechtem Wetter ohne Unterstützung durch die Solarzellen problemlos 6 Tage mit viel Stromverbrauch (2 Notebooks, Heizung, Licht etc) auf die Teile gewartet.

Nach Erhalt der Ersatzteile im Flughafen von Québec-City am Montagmorgen, 10. November fuhren wir gleich zur Werkstatt „centre du camion“, wo uns der Betriebsleiter auch sehr zuvorkommend bediente: Er hielt in der grossen Werkstatt einen Arbeitsplatz für den Duro-Bären frei, stellte Karl einen Mechaniker zur Seite, mit anderen Worten, Karl durfte voll mit arbeiten und konnte so die Tipps von Andreas Bauer einbringen. Die Arbeiten dauerten fast 8 Stunden, und zum Glück durften sich Larissa und Esther in ein kleines, geheiztes Büro zurück ziehen, wo die Zeit trotz Lesen, Stricken und Rausgehen mit Larissa natürlich lang wurde.

Doch der grosse Aufwand hat sich gelohnt: Der Duro-Bär „stottert“ nicht mehr beim Bremsen, und das Getriebe läuft auch gut. Sehr erleichtert, aber mit etwas gemischten Gefühlen fuhren wir zügig weiter südwärts über Montreal Toronto zu den Niagara-Wasserfällen. Bis Montreal erinnert die flache Ebene ein wenig an die Po-Ebene in Italien.

Die Niagarafälle muss man unbedingt von der kanadischen Seite her gesehen haben; die Ansicht von USA aus gibt nichts her. Da stürzen sich im Halbrund (hufeisenförmig) zwei gigantische Wasserfälle über Felsen herunter, und in der Mitte davor erhebt sich eine gewaltige Gischtsäule. Am Vormittag war rund um die Fälle herum alles weiss gefroren – im Laufe des Tages verschwand diese märchenhafte Kulisse. Der 3. Fall ist kleiner und ist der sog. „amerikanische Niagara-Wasserfall“. Je nach Sonneneinstrahlung schmückt er sich mit einem wunderschönen Regenbogen, mit dem auch wir beschenkt wurden.

Da es gerade Freitag war, wurden die 3 Wasserkaskaden ab 17 Uhr mit farbigen Scheinwerfern beleuchtet. Das sah aus wie 3 gigantische, längsfarbig gestreifte Vorhänge mit wechselnden Farben. Dazu gab’s um 22 Uhr noch ein Feuerwerk. Rund herum waren auch Bäume und Häuser mit farbigen Lichtern geschmückt – alles wirkte wohl ähnlich wie eine Art „Mini-Las Vegas“, einfach wie in einer anderen Welt fühlte man sich! Es hat nicht mehr viele Besucher um diese Jahreszeit, einige asiatische Gruppen. Das abendliche Lichtspiel bewunderten nur noch wenige in Halstuch und Kapuzen eingemummte halb verfrorene „Kreaturen“!

Wettermässig hatten wir Glück, dass wir anfangs noch etwas Sonne hatten zum Photographieren und es den ganzen Tag trocken war inkl. auch nachts für die Lichtschau. Aber die Kälte war und ist einfach happig da drüben. Wir schleppen den Winter nun seit dem St.Lorenzstrom mit uns mit und bringen ihn nicht mehr los: es hat immer wieder Schneegestöber und ist mit Wind einfach sehr unbekömmlich feucht-kalt. Es scheint sich in ganz Nordamerika ein früher Wintereinbruch anzubahnen; selbst im Staate Texas lagen letzte Woche die Nacht-Temperaturen nicht über 5 Grad.

Larissa geht es recht gut, sie ist gewohnt fit bei Kälte, tagsüber schläft sie viel in der Führerkabine und abends unter dem Tisch , aber nachts ist sie dann unruhig und stört mehrere Male pro Nacht. Fressen und Verdauen tut sie aber gut. Wir hatten solche Probleme schon längere Zeit auch zu Hause, doch da war es ca. 1 Störung pro Nacht, nun mehrere.
Wir werden immer unsicherer, ob sie körperliche Beschwerden hat oder eher einen altersbedingten Tick , der wie bei vielen Senioren auch, Tag und Nacht manchmal verwechselt. Karl hat einen leichten Schlaf und kümmert sich jeweils beispielhaft um Larissa, um sie wieder zu beruhigen. Erholsam schläft er natürlich so nicht und fährt doch immerhin jeden Tag sehr gewissenhaft unseren Duro-Bären.

Etwas hat sich aber doch positiv verändert bei ihr: Larissa bleibt ruhig alleine im Auto zurück, sei es, wenn wir einkaufen gehen oder schon auswärts assen. Das macht uns doch etwas unabhängiger, als das bis vor Kurzem noch der Fall war.

Am Samstag, 15. November, vollbrachten wir einen grossen Schritt: Wir verliessen Kanada nach fast 8 Wochen via die eine Niagara-Brücke und fuhren rüber nach Amerika. Während sich Kanada nichts um unsere Ausreise kümmerte, beschäftigen sich die Amerikaner-Zöllner doch ca. 45 Minuten mit solchen Einreisenden wie wir, inkl. einige Fragen und v.a. wieder Fingerabdrücke, wie damals beim Visum-Antrag in Bern. Wir haben nun je ein 6-monatiges Visum erhalten bis und mit 14. Mai 2015. Wir sind ja selber gespannt, wie und wo wir diese Zeit in den USA verbringen werden. Darüber schreiben wir im nächsten HP-Beitrag!

Im Moment zieht’s uns einfach mal nach Süden, doch die Suche nach mehr Sonne und wärmeren Temperaturen dürfte sich laut Meteo noch einige Zeit dahin ziehen.